Wer nach „72 Namen Gottes, ihre Bedeutung“ sucht, findet zuerst eine Überraschung: Die 72 Namen sind keine Wörter, sondern Gruppen aus je drei hebräischen Buchstaben. Sie werden aus drei aufeinanderfolgenden Versen im Buch Exodus abgeleitet (Exodus 14:19–21). Diese Seite zeigt ruhig und konkret, wie die Ableitung beschrieben wird, was sich daraus für eine Bedeutung sagen lässt und wo die Überlieferung endet.
Was die 72 Namen sind
Die 72 Namen (hebräisch Shem HaMephorash) sind eine Liste von 72 Dreiergruppen hebräischer Buchstaben. Sie gehen in der jüdischen Überlieferung auf Exodus 14:19–21 zurück, den Bericht über das Meer. Spätere Autoren haben der Liste weitere Schichten hinzugefügt. Die Wikipedia-Seite zu Shem HaMephorash nennt für Reuchlin (1517) Engelnamen und Rangfolgen und für Rudd Psalmverweise. Diese Schichten sind jünger als die Buchstabengruppen selbst. In der jüdischen Praxis werden die Dreiergruppen nicht als Wörter ausgesprochen. Wenn sie genannt werden, dann als Buchstabennamen, also zum Beispiel Lamed, Alef, Vav. Eine feste „Bedeutung“ im Sinn einer Übersetzung haben sie deshalb nicht. Sie sind ein Symbol, auf das sich Betrachtung richten kann.
Schritt für Schritt: die Ableitung
Die folgenden Schritte geben den Gedankengang wieder, wie ihn der Artikel auf chabad.org zur Herleitung beschreibt. Die genaue Leserichtung der einzelnen Verse findest du dort. Luckwell erfindet sie nicht selbst.
- Nimm drei aufeinanderfolgende Verse aus dem Hebräischen Text: Exodus 14:19, 14:20 und 14:21.
- Schreibe die Buchstaben der drei Verse in drei Zeilen untereinander, in der Reihenfolge, die die Überlieferung für die Lesung vorgibt.
- Lies spaltenweise: Die drei Buchstaben, die übereinander stehen, bilden eine Dreiergruppe.
- Nummeriere die Gruppen in der Reihenfolge, in der sie entstehen, von 1 bis 72. Diese Nummer (der Index) ist die eigentliche Kennung einer Gruppe.
- Notiere, dass manche Buchstabenfolgen mehrfach vorkommen. Deshalb führt man die Gruppen immer über ihren Index und nie über die Buchstaben allein.
- Buchstabiere jede Gruppe mit den Namen der Buchstaben, statt sie als Wort zu lesen.
Ein durchgerechnetes Beispiel
In der Liste, die Luckwell verwendet, gibt es drei Paare mit identischen Buchstaben: #1 und #49 (והו), #11 und #17 (לאו) sowie #14 und #55 (מבה). Das Beispiel nimmt die beiden letzten Paare und rechnet sie mit der Standard-Gematria (mispar hechrechi), die Agrippa in II.xix für die hebräischen Buchstaben aufführt.
לאו, buchstabiert Lamed – Alef – Vav, ergibt ל = 30, א = 1, ו = 6. Die Summe ist 37. מבה, buchstabiert Mem – Bet – He, ergibt מ = 40, ב = 2, ה = 5. Die Summe ist 47.
Für die Spur im Quadrat gilt die Regel der Aiq Bekar: Solange ein Wert größer ist als n², streichst du die letzte Stelle (Wert = Abrundung von Wert ÷ 10). Bei einem 3×3-Quadrat (n² = 9) wird ל = 30 zu 3, א bleibt 1 und ו bleibt 6: Die Spur läuft über die Zellen 3, 1, 6. Bei מבה wird מ = 40 zu 4, ב bleibt 2 und ה bleibt 5: Die Spur läuft über 4, 2, 5. Dass #11 und #17 dieselbe Spur ergeben, ist kein Fehler. Es ist der Grund, warum der Index die Gruppen unterscheidet und nicht die Buchstaben.
Häufige Fehler und ehrliche Grenzen
Der häufigste Fehler ist, eine Dreiergruppe wie ein Wort auszusprechen oder ihr eine Übersetzung zuzuschreiben. Die Überlieferung kennt dafür keine feste Lesung. Ebenso wenig gehört der Tetragrammaton in eine solche Seite: Er wird bei Luckwell nie ausgeschrieben, sondern durch ה׳ ersetzt.
Eine zweite Quelle von Irrtümern sind moderne Kurztitel für die einzelnen Namen. Solche Etiketten stammen nicht aus der Überlieferung. Die interne Kategorie „quality“ in Luckwells Daten ist ein neutrales Routing-Kennzeichen, abgeleitet aus einem Titel und einem Psalm. Für Texte, die du liest, verwendet Luckwell bewusst eigene Worte, und das ist Luckwells Entscheidung, keine Tradition.
Die Grenzen sind klar: Die Ableitung aus Exodus 14 ist ein Verfahren der Textarbeit. Sie sagt nichts darüber, wie sich dein Leben, deine Gesundheit oder dein Geld entwickeln. Kein Versprechen wird gemacht, weder von Luckwell noch von den zitierten Quellen.
Wie Luckwell es baut
Im Sigill ist der 72-Namen-Teil eine eigene Schicht. Der Name zu deiner Absicht wird aus dem Hash von Geburtsdatum und Absicht gewählt, und zwar innerhalb der Teilmenge, die zu dieser Absicht gehört. Für dieselbe Person und dieselbe Absicht bleibt die Wahl daher gleich. Die drei Buchstaben stehen auf dem äußeren Ring. Zusätzlich werden sie auf demselben Quadrat wie dein Buchstabenkern gespurt, in der Akzentfarbe. Die Zahlen folgen Agrippa II.xix, die Reduktion der Regel der Aiq Bekar.
Die Schicht liefert außerdem Material für den „Schlüssel“, den kurzen Spruch zu deinem Sigill. Dort erscheint der 72-Name als Buchstabennamen, nie als erfundenes Wort. Der Schlüssel besteht aus drei bis sieben Wörtern ausschließlich aus festen Einheiten, ein Latein-Motto oder eine hebräische Schriftphrase kann dazugehören. Wie sich die Quadrate selbst aufbauen, steht im Beitrag zum Jupiter-Quadrat. Einen allgemeineren Überblick über Sigillen und Absicht gibt die Seite Sigille für Glück. Alle weiteren Schichten sind im Archiv beschrieben. Wenn du sehen möchtest, welche drei Buchstaben zu deinem Datum und deinem Wort gehören, kannst du dein eigenes Sigill schmieden.
FAQ
Welche Bedeutung haben die 72 Namen Gottes?
Es sind Dreiergruppen hebräischer Buchstaben, keine Wörter, und sie tragen keine feste Übersetzung. In der Praxis werden sie als Buchstabennamen genannt. Spätere Schichten wie Reuchlins Engelnamen oder Psalmverweise sind Zusätze der Überlieferung.
Warum gibt es doppelte Dreiergruppen?
Bei der Ableitung entstehen einige Buchstabenfolgen zweimal: #1 und #49 (והו), #11 und #17 (לאו), #14 und #55 (מבה). Deshalb wird jede Gruppe über ihren Index geführt und nicht über ihre Buchstaben.
Wie werden die Dreiergruppen ausgesprochen?
In der jüdischen Praxis nicht als Wort. Luckwell buchstabiert sie mit den Buchstabennamen, zum Beispiel Lamed, Alef, Vav.
Sagt der 72-Name in meinem Sigill etwas über mein Leben?
Nein. Er ist ein Symbol und ein Blickpunkt für deine eigene Absicht. Über Gesundheit, Geld oder den Ausgang eines Ereignisses wird nichts versprochen.
Quellen
- Wikipedia: Shem HaMephorash (Reuchlins Engelnamen 1517, Rangfolgen, Psalmverweise nach Rudd)
- Chabad.org, Artikel zur Herleitung der 72 Namen (Exodus 14:19–21)
- Agrippa, De occulta philosophia II.xix (Zahlwerte der hebräischen Buchstaben) und II.xx (lateinische Buchstaben als Zahlen), Peterson-Transkription der Ausgabe von 1651 auf esotericarchives.com
- Wikipedia: Gematria
- Wikipedia: Hermetic Qabalah (Golden-Dawn-Konvention, Aiq Bekar)
- Wikipedia: Magic square
Luckwell dient der Unterhaltung und der Selbstreflexion; ein Sigill ist ein Fokus für deine eigene Absicht, kein Versprechen für Gesundheit, Geld oder den Ausgang irgendeines Ereignisses; ab 16.